Den Streisand Effekt verstehen und vermeiden

Streisand Effekt
verstehen und vermeiden

August 2018 in Dresden: Ein Mitarbeiter des LKA Sachsen verlangt von einem Filmteam, das ihn während einer Pegida-Demonstration filmte, die Aufnahmen zu löschen – und wird auf diese Weise in der ganzen Bundesrepublik bekannt. Anschließend ist er nicht nur seinen Job los, er wird auch online in vielfacher Form verspottet. Was sich „offline“ ereignete, stellt auch online keine Seltenheit mehr dar, sofern sich diese Grenzen heute überhaupt noch ziehen lassen. Denn tatsächlich ist es oft gerade der Versuch, Schaden von der eigenen Person und Reputation abzuwenden, der das genaue Gegenteil bewirkt.

Warum sich dieses als „Streisand Effekt“ bekannte Phänomen immer häufiger beobachten lässt und wie Sie mit einem strategischen Online Reputation Management (ORM) solchen Effekten entgegenwirken, erklären wir im folgenden Beitrag.

Wie das Phänomen Streisand
zum Streusand-Effekt wird

Von einem Streisand Effekt spricht man immer dann, wenn jemand versucht, eine im Netz kursierende Information löschen zu lassen, was dann zum genau gegenteiligen Ergebnis führt: Der Vorgang stößt bei anderen Usern auf besonderes Interesse und die Informationen, Bilder oder die Dateien, um die es ging, verbreiten sich in Windeseile.

Luftaufnahmen und ein erfolgloser Prozess als Namensgeber

Die Namensgebung für diesen Effekt deutet auf den bekanntesten Vorfall dieser Art hin: auf die Schauspielerin und Sängerin Barbara Streisand, die 2003 einen Fotografen auf eine Schadensersatzsumme von 50 Millionen Dollar verklagte. Begründung: Der Fotograf hatte im Rahmen eines Projektes eine Luftaufnahme von Streisands Haus auf einer Website veröffentlicht, ohne sich dafür eine Genehmigung einzuholen.

Allerdings war die Luftaufnahme nur eine von 12.000 Bildern und es war für den Betrachter zunächst nicht ersichtlich, dass es sich bei besagter Aufnahme um den Wohnsitz der Schauspielerin handelte. Erst durch die Klage, verbreitete sich diese Information und wurde zum allgemein zugänglichen Wissen.

Prominenz schützt nicht vor unliebsamer Bekanntheit

Dass die Netzgemeinschaft immer dann besonders aktiv wird, wenn sie einen Versuch wittert, nicht die eigenen Persönlichkeitsrechte zu schützen, sondern Zensur auszuüben, durften auch andere berühmte und weniger berühmte Persönlichkeiten bereits erfahren.

Der thailändische König Bhumibol Adulyadej beispielsweise, der ein Video, von dem er sich persönlich beleidigt fühlte, zum Anlass nahm, die gesamte Website, auf der es erschienen war, sperren zu lassen. Oder aber die Eltern des bereits verstorbenen Hackers Tron, die erfolglos versuchten, die Verbreitung seines Klarnamens in einem Wikipedia-Eintrag zu untersagen.

Vom Winde verweht: Streusand im Netz

Statt von einem Streisand-Effekt könnte man so gesehen auch von einem Streusand-Effekt sprechen. Denn letztlich verhält es sich beim gescheiterten Web Reputation Management wie bei einem Versuch, Sandkörner zu beseitigen, indem man aus einem niemals leeren Fass Streusand verteilt. Statt die eigene Reputation wiederherzustellen, leidet sie dann darunter.

Dabei ist die Netzgemeinde viel weniger hämisch oder schadenfroh, als manch einer es glauben möchte. Werden wirklich Persönlichkeitsrechte verletzt oder handelt es sich um Informationen, die nicht von öffentlichem Interesse sind, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich durch ein entsprechendes ORM zu schützen und den gefürchteten Effekt abzuwenden. Und auch Prominente oder Unternehmen können durch eine bedachtsame Strategie Schäden an der Online-Reputation vermeiden.

Der wütende Versuch, missliebige Informationen sofort mit aller Schärfe zu bekämpfen oder gar Nachrichten zu zensieren, die für die Allgemeinheit von Interesse sind, ruft jedoch so etwas wie eine Trotzreaktion hervor. Und genau deshalb ist es so wichtig, sich einmal intensiv damit zu befassen, wie sich online ein positives Reputationsmanagement betreiben lässt.

Web Reputation Management, strategisches ORM gegen den Streisand-Effekt

Strategisches Online Reputation Management

Fast jeder hat es schon einmal getan, hat den eigenen Namen in eine Suchmaschine eingegeben, um zu erfahren, was online über die eigene Person zu lesen oder zu sehen ist. Vor allem Menschen, die sich um eine Führungsposition bewerben, aber auch Promis, Unternehmen und Organisationen tun dies regelmäßig.

  • Auf dem Laufenden bleiben: Wer verbreitet welche Informationen über Sie?
    Google und Co bieten hierfür zahlreiche Hilfsmittel, beispielsweise durch die Nutzung von Google Alerts. Nutzer können hier eintragen, nach welchen Begriffen oder Namen Google regelmäßig Ausschau halten soll. Sie werden dann in bestimmten Abständen dann informiert, wenn zum jeweiligen Suchbegriff neue Inhalte im Netz erschienen sind.
  • Methoden und Maßnahmen des Reputation-Managements nutzen
    Jedes Web Reputation Management beginnt mit einer solchen Kontrolle, durch die Nutzer die Hoheit über persönliche oder unternehmensrelevante Informationen bewahren wollen. Doch es erschöpft sich nicht darin, denn was einmal hochgeladen wurde, ist schwer wieder zu entfernen.

Es gilt also, kluge Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Sollten tatsächlich einmal falsche oder schädliche Informationen über die eigene Person oder Organisation ins Netz gestellt worden sein. Diese Maßnahmen lassen sich in zwei Vorgehensweisen unterteilen: in das proaktive und das wiederherstellende Reputationsmanagement.

Proaktives Reputationsmanagement

So wird durch Online Reputation Management einerseits proaktiv einer möglichen Rufschädigung vorgebeugt. Dies geschieht, wenn der Nutzer selbst bestimmt, was online über ihn aufzufinden sein soll, indem er Informationen ins Netz einspeist.

Je stärker eine Person oder Organisation im Rampenlicht steht, desto mehr sollte zudem Beachtung finden, alle im Netz verfügbaren Leistungen für eigene Kampagnen und Webpräsentationen zu nutzen. Wer es beispielsweise verpasst, selbst einen Brancheneintrag bei Google zu erstellen, riskiert, dass ein anderer dies tut. Denn prinzipiell kann jeder in den Suchmaschinen oder in den Sozialen Netzwerken Fake-Accounts für Prominente oder Unternehmen erstellen.

Reputationsmanagement
zur Wiederherstellung des guten Rufs

Manchmal sind es Jugendsünden, die im Netz aufgefunden werden. Ein anderes Mal sind es Gerüchte, die von Mitbewerbern oder Neidern gestreut werden. Oder aber es sind unsere schnellen und unangemessenen Reaktionen, die zum gefürchteten Streusand-Effekt führen. In jedem Fall gilt: Ist der Ruf erst ruiniert, bedeutet dies nicht, dass Sie auf Dauer damit leben müssen. Denn ein strategisches Reputationsmanagement kennt zahlreiche Methoden, um unerwünschte Informationen auf Dauer in die Versenkung zu schicken.

Eine dezente Vorgehensweise ist hierbei aus den erwähnten Gründen ebenso wichtig wie eine klug durchdachte Strategie. So kann allein die Quantität neuer Meldungen über Sie oder Ihr Unternehmen dazu führen, dass anderes als „Schnee von gestern“ aus den Ergebnislisten der Suchmaschinen (SERP) verschwindet. Oder zumindest auf den letzten Plätzen landet.

Auch die Suchmaschinenbetreiber bieten die Möglichkeit an, unerwünschte Einträge, die gegen ihre Richtlinien verstoßen, zu entfernen. Allerdings räumen sie selbst ein, dass die Wirkung nur begrenzt ist, da sie keinen umfassenden Einfluss darauf haben, wo Seiten weiterhin gespeichert oder Bilder und Dateien fleißig geteilt werden.

Vor jeder Löschaktion sollten Sie sich daher fragen: Ist es sinnvoll, „schlafende Hunde“ zu wecken? Oder bietet mir ein strategisches Online Reputation Management bessere Möglichkeiten, meinen guten Ruf wiederherzustellen?

Durch ORM negativen Kampagnen entgegenwirken

Ob Cybermobbing oder Shitstorm – das Wichtigste bei einer Negativkampagne ist es, nicht in Panik und blinde Abwehrmechanismen zu verfallen. Die Art und Weise, wie Informationen im Netz gepusht werden, gleicht der Kommentarfunktion in den Social Media: Antwortet niemand, ist der Beitrag zwar nicht verschwunden, versinkt aber im Nirgendwo. Versuchen Sie stattdessen durch ständiges Argumentieren und Kommentieren eine falsche Behauptung zu widerlegen, wird der Beitrag immer wieder nach oben gespült.

Schieben Sie die Datei nicht in den Papierkorb, überschreiben Sie sie. Noch dazu tritt ein weiterer ungewollter Effekt auf: Sie bestätigen letztlich, was über Sie behauptet oder dargestellt wurde, – auch dann, wenn Sie die Fakten auf den Tisch bringen. Und insbesondere dann, wenn Sie versuchen, Einträge löschen zu lassen. Statt also eine vorhandene Datei einfach nur in den Papierkorb zu verschieben – wo sie noch lange überdauert –, geht es beim Online Reputation Marketing darum, sie möglichst komplett zu überschreiben. Wie dies im Detail geschieht, kann nur für den Einzelfall beantwortet werden.

Die Macht des Schweigens und die Kraft des Gegners nutzen

In den oben genannten Beispielen hätte ein erfahrenes Reputation-Management sicher geraten, auf eine direkte Beschwerde oder die Sperrung einer Website zu verzichten. Damit hätte es sich vermeiden lassen, dass nun die ganze Welt weiß, wo Barbara Streisands Swimming Pool steht und wie man den thailändischen König straffrei beleidigen kann. Im Fall des erwähnten Hackers Tron wären ebenfalls andere Maßnahmen erfolgreicher gewesen als der Versuch, die Klarnamennennung gerichtlich zu unterbinden.

Statt auf Druck mit Gegendruck zu reagieren lautet das Grundprinzip im Online-Reputation-Marketing: Verwandeln Sie die Kraft des Gegners in Ihre eigene. Oder anders gesagt: Erschöpfen Sie sich nicht darin, negative Aussagen zu widerlegen, bringen Sie Menschen und Meinungen an den Start, die Positives über Sie zu vermelden haben.

Reagieren Sie rechtzeitig und bauen Sie Ihre Online-Reputation durch ORM bewusst auf und verzichten Sie unter Umständen auf Maßnahmen, die den Verdacht erwecken, dass Sie etwas vertuschen wollen. Vieles von dem, was im ersten Moment dramatisch wirkt, ist im Netz so schnell vergessen, wie es zur Kenntnis genommen wurde. Wäre der LKA-Mitarbeiter aus Dresden einfach stumm an der Kamera vorbeigegangen, hätte ihn vielleicht der ein oder andere Kollege erkannt und es hätte ein kurzes Getuschel und Geraune gegeben. Spott und Häme der gesamten Netzgemeinde – mitsamt den existenziellen Auswirkungen – wären ihm dagegen erspart geblieben.

Denken Sie beim nächsten Mal daran, wenn Sie spontan auf eine Kränkung oder ein Gerücht reagieren wollen – oder lassen Sie sich gleich von einer erfahrenen Agentur fürs Web Reputation Management unterstützen.

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